Gut meinte es das Schicksal
sicher nicht mit dem kleinen Bruder, der zeitlebens ein solcher bleiben
wird. Es fehlt ihm Ausstrahlung, Geschäftssinn, Verschlagenheit und
vor allem die Songs seines Bruders. So bleibt ihm nicht mehr als das zu
tun, was er kann: Gitarre spielen und dazu singen und diesmal klingt es
auch passabel (wie man auf Unfinished Buisness hören kann). Zunächst
jedoch brachte Dave seine Sicht der Dinge heraus, als straighte Autobiographie
ohne literarische Ambitionen und auch ohne größere Qualität,
jedoch sehr interessant, wenn man mal von dem UFO- und Spiritualismus-Quark
absieht, der jedoch nicht nur bei Popstars kursiert. Er tourte ab 1997
mit verschiedener Besetzung durch die Staaten, mit geringem Erfolg auch
wenn es uns die RDF (Raving Dave Fans) anders vermitteln wollen. Sicher
ist das Ganze recht ansprechend und auch ganz nett anzuhören (ich
würde es gerne mal sehen), aber oft sind da nur mal 20 Zuschauer.
Ehrlich gesagt hat meine Mutter bei ihrem Amateurkabarett mehr, Dave hätte
da mehr verdient (nichts gegen meine Mutter!).
Unfinished Business (US+UK/ Europa)
Take One More Chance
Die von den Fans seit langem erwarteten Platten "Unfinished
Buisness" (1998/9) waren dann auch nicht die Erleuchtung. Sicher, sie enthalten
viele kleine Schätzchen aus Daves Archiv und man würde sich freuen,
wenn Ray auch so spendabel wäre, aber so richtig reißt einen
das neue Material nicht vom Hocker. Nur die alten Songs im neuen Gewand
können gefallen (die aber wirklich) und das läßt nicht
unbedingt auf ein viertes Studioalbum hoffen. Live soll jedoch noch was
herauskommen, da sind wir zumindest gespannt, ob das was wird. Eine Deutschland-Tour
war im Gespräch, oder besser im letzten Newsletter des Kinks-Fan-Clubs.
Aber da hört man auch nichts und da Dave nichts draufzahlen will und
sicher auch nicht kann (sieben Kinder müssen auch versorgt werden
und Dave ist nun mal nicht mit 10 Mio. £ 59zigst reichster Musiker
des Vereinigten Königreichs). Für Dave kann man wirklich noch
einmal hoffen, daß er für die langen Jahre hervorragendes Gitarrenspiel
belohnt wird. Vielleicht ja mit einer Kinks-Reunion aber nicht auf die
tour "Revival Band" a-là "The Lords" oder Dave Dee.
Seine neue Masche scheint nun der Häppchenweise Verkauf
von Demos zu sein, die er über seine Website verteibt. Es ist gerade
die erste einer "Demo Series" erschienen, endlich mit "Fortis Green" (dem
Song), der seit er ihn zum ersten Mal spielte als einer sener besten Songs
gilt. Mal sehen, ob noch mehr schöne Songs folgen, der Rest der "Demo
Series Vol.1" kann in keinster Weise überzeugen.
Dave besann sich nach den Demos und brachte eine Live-Platte heraus, die seine Qualitäten als Bandleader bewies ("Rock Bottom") und mit einer gleichzeitig veröffentlichten Solo-CD zeigte er, daß er keine Storyteller-Qualitäten wie Ray hat, oder aber seine
Geschichten und Songs nicht dafür taugen.
Eine weitere Demo CD mit ebenso fragwürdigem Charakter kam Anfang 2001 und Dave spielte weiterhin Konzerte in den USA (auch im World Trade Center) und dann kam er für einige Konzerte nach Europa. Erstaunlicherweise waren so gut wie alle seine Konzerte sehr gut besucht, auch wenn sie in mir bislang unbekannten Orten stattfanden (Lorsch, Liederbach). Beim ersten Solo-Konzert in Europa von ihm überhaupt (Aschaffenburg) interviewte ich ihn und er stellte eine Solo-CD in Aussicht. Diese soll nun (März 2002) sehr bald erscheinen, zumindest in den USA. Wie bei Rock Bottom, das erst mehr als ein Jahr nach der US-Veröffentlichung auf den europäischen Markt kam ist noch keine europäische Version geplant.